Gebt mir ein 'Schland!

Stabiles Selbstverständnis der Deutschen zu ihrem Land und ihrer Nationalität.
Der Halbzeit-Erfolg zur EM 2008 offenbarte ein wachsend stabiles Selbstverständnis der Deutschen zu ihrem Land und ihrer Nationalität. Und das mit Spaß und erfrischender Souveränität.

Die Nacht nach dem EM-Halbzeitsieg im Hamburger Schanzenviertel. Die zentrale "Piazza" vor dem "Rote Flora-Kulturzentrum", dem seit langem alternativ-linksrevolutionär bis schwarzgeblockt besetzten alten Flora-Theater-Palast, ist voll mit Menschen. Schwarz-Rot-Gold überall - in Fahnen, Schminke und Deko - gemischt mit den türkischen Farben Rot-Weiß. Loveparade, Schlagermove und Spontanparty auf einmal.

Wer sich vor 5-6 Jahren derart ausstaffiert vor die Rote Flora gestellt hätte, der wäre nicht lang allein geblieben. Die unverzügliche linkspolitische Aufklärung wäre schnell im Anmarsch - bis hin zur Anmache wegen der offensichtlich rechtsnationalistischen Dekoration. Doch schon zur WM 2006 wirkten solche Kritik-Versuche eher hilflos, da man es ja eben mit normalen fröhlichen Menschen zu tun hatte und nicht mit Nazis.

Und vielleicht prägnant ist das, was zu mancher EM-Nacht von Laternenmasten und Baugerüsten gerufen wurde:
"Gebt mir ein D" ... "D!" - "Gebt mir ein E" ... "E!" - "Gebt mir ein U" ... "U!" - "Gebt mir ein T" ... "T!" - "Gebt mir ein 'Schland" ... "Schland!"
"Gebt mir ein Land!" ... "Deutschland!"

Denn vieles ändert sich. Auch das Gefühl der Deutschen zu ihrem Land. Es zeichnet sich neben der neuen Lockerheit auch eine Art Verantwortungsgefühl ab. Der weitere Weg ist offen. Möglich, dass die Deutschen auch und trotzdem mehr mitreden wollen, je mehr sie sich mit ihrer Nation identifizieren... möglich aber auch, dass sich doch nur ein braves Biedermeier-Nationalgefühl entwickelt - und man feiert eben irgendwann nur noch, weil das eben so ist.

Darauf sollten wir mal achten.

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